Larence und Rollie - Philippinen

Aktuelles

Blinde Menschen in der Gesellschaft sichtbar machen

Neuer Leiter der Blindenmission wird mit Gottesdienst in Amt eingeführt / Digitalisierung als Herausforderung und Chance

HILDESHEIM. Mit einem Gottesdienst am 12. September wird Andreas Chrzanowski als neuer Leiter der Hildesheimer Blindenmission in sein Amt eingeführt. Die Hildesheimer Blindenmission betreibt vier Blindenschulen in Indonesien, Myanmar und den Philippinen. Die Schulen ermöglichen Kindern und Jugendlichen Schul- und Berufsausbildung in einer zugewandten Atmosphäre und geben ihnen Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben.

In seinem frisch renovierten Büro in der ersten Etage der Hildesheimer Blindenmission führt der Nachfolger von Frank Ewert seinen Arbeitsbereich vor: Ein Computer mit einem Lesegerät für die Blindenschrift, ein iPhone mit speziellen Apps für Sehbehinderte und Blinde. Das Smartphone kann praktisch alles für Blinde hörbar machen. Er hält das Smartphone über ein Blatt Papier. Sofort liest es den Text auf dem Papier vor. Spezielle Navigationssoftware ermöglicht ihm Orientierung auf der Straße. Chrzanowski: „Die moderne Technik ist eine Revolution!“

Auf Andreas Chrzanowski warten eine Menge Aufgaben. Pandemiebedingte Einschränkungen haben Blinde aus armen Familien besonders getroffen. Homeschooling ohne Internet ist praktisch unmöglich. Doch gerade mit der Digitalisierung ergeben sich viele berufliche Chancen, die den Wegfall traditioneller Berufe auffangen können. „Wir müssen über die gute Schulbildung hinausdenken und auch auf den Arbeitsmarkt vorbereiten.“

Dabei wird Inklusion in Asien ein immer wichtigeres Thema. So denkt er über ein „Resource-Center“ nach, das es blinden Menschen ermöglicht, auf eine normale Schule zu gehen und dennoch spezifische Fähigkeiten zu erlernen. „Auch in Asien hat sich der Blick auf die Behinderung geändert“, sagt er. Dabei ist für ihn der gesellschaftliche Aspekt besonders wichtig. Andreas Chrzanowski: „Behinderung muss sichtbar sein. Sie gehört in unsere Gesellschaft.“

Pastor Andreas Chrzanowski wurde 1962 in Straßburg in der Uckermark geboren. Sein Vater, ebenfalls Pastor, hatte sich entschieden, in der DDR zu bleiben. „Wir können die Menschen doch hier nicht alleine lassen“, hatte er gesagt. Der Vater führte ein offenes Haus. Regelmäßig saßen Obdachlose oder Drogenabhängige am Abendbrottisch. Aber auch Soldaten, die man als Intellektuelle in der NVA fertiggemacht hatte. Auch Chrzanowski selbst durfte als Pastorensohn nicht in eine Abiturklasse gehen: „Ich habe viel mitgekriegt an DDR-Wirklichkeit.“ Als er 15 ist, reisen seine Eltern mit ihm und seinen drei Geschwistern dann doch in den Westen aus.

Nach dem Abitur will Andreas Chrzanowski zunächst Medizin studieren. Doch dann stellt der Arzt eine Augenerkrankung fest, die am Ende zu einer Erblindung führen wird. Der erste Berufswunsch ist damit für ihn unerreichbar geworden. Er entschließt sich für ein Studium der evangelischen Theologie. Im Laufe des Studiums verliert er langsam das Augenlicht.

Erst schränkt sich das Blickfeld ein, dann kann er keine Farben mehr sehen, schließlich wird er während seiner Examenszeit blind. Während des anschließenden Vikariats lernt er seine heutige Frau kennen, mit der er gemeinsam Predigerseminare in Loccum besuchte. Darauf folgten 18 Jahre auf einer gemeinsamen Pastorenstelle in Ostfriesland. „Eine sehr glückliche Zeit“, wie er rückblickend feststellt.

Seit 2013 ist er in Hannover bei der Blindenseelsorge der Landeskirche tätig. Erst dort hat er vermehrt Kontakt mit anderen Blinden. Er selbst sieht das verlorene Augenlicht nicht nur negativ. „Ich war früher ein stark visueller Mensch. Aber andere Sinne verstärken sich, etwa das Gehör oder der Geruchssinn“, sagt er. Viele Sehende könnten es sich nicht vorstellen, blind zu sein. „Doch viele Blinde können sich nicht vorstellen, zu sehen. Wenn man sie fragen würde, ob sie sehen wollen, würden sie nein sagen“, so Chrzanowski. Er berichtet vom Klang der Mauern und Zäune, an denen er vorbeigeht. Andreas Mayen

Info:

Der Einführungsgottesdienst am Sonntag, 12. September, beginnt um 15.30 Uhr in der St.-Lamberti-Kirche.

Bildunterschrift:

Pastor Andreas Chrzanowski ist neuer Leiter der Hildesheimer Blindenmission. Foto: Andreas Mayen

 

Kunstklusiv - Neuer Termin für die Ausstellung

Zweimal musste die Ausstellung der Hildesheimer Blindenmission „Kunstklusiv“ auf Grund der Corona-Situation verschoben werden. Wir freuen uns nun auf das nächste Jahr. 

Vom 14.-26. Juni 2022 werden 22 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland Objekte, Installationen und Konzeptkunst in der Rasselmania, Hildesheim zeigen.

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Blindenschule Myanmar: Lebensmittel fehlen!

Trotz massiver Gewalt gegen die Demonstranten gehen die Menschen in Myanmar täglich auf die Straße, um für eine Rückkehr zur Demokratie zu kämpfen. Die Solidarität innerhalb der Menschen ist ungebrochen und der Mut der gesamten Bevölkerung ist stärker als die Angst vor tödlichen Schüssen.
Für alle Jugendlichen im Land, darunter auch die Schüler*innen der Blindenschule in der Nähe von Mandalay, eröffneten sich insbesondere in den letzten Jahren ganz neue Bildungsmöglichkeiten. Dieses Grundrecht wollen sie natürlich nicht schon wieder hergeben müssen.
Die gegenwärtige Situation wird in Kürze zu einem bedrohlichen Engpass an Lebensmitteln für die blinden Schüler*innen führen. Bisher gab es ausreichend Spenden durch die Menschen vor Ort, die jetzt aber ausbleiben. Ändern Sie diese Situation: Helfen Sie den 40 Schüler*innen in dieser Notlage mit einer Spende von  

50 € pro Tag - für Lebensmittel


Diese Unterstützung ist Ihnen wichtig? Dann spenden Sie bitte!

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Computer, Smartphone & Co.

Ihre Spenden für Smartphones und Laptops sind angekommen!

Vielen herzlichen Dank!

 

Die Kinder der Blindenschule in Myanmar haben bei einem Training zum richtigen Umgang mit dem Smartphone viel gelernt! Sie kennen jetzt alle Funktionen und sind dankbar für dieses vielseitig einsetzbare Kommunikationsmittel, sei es beim Lernen oder zum Chatten mit ihren Freund*innen.

Leider haben wir unser Spendenziel von 23.000 € noch nicht erreicht.

Es wurden bisher 15.000 € gesammelt, so dass wir Sie um weitere Spenden bitten möchten.

 

Online-Unterricht soll für blinde Menschen nicht nur aufgrund der unsicheren Entwicklung von Corona den normalen Schulunterricht ersetzen, sondern vor allem eine sinnvolle Ergänzung darstellen. Digitale Medien sind gerade für blinde und seheingeschränkte Menschen sehr wichtig! Das Lesen und Schreiben findet heute vorwiegend digital statt mittels einer Software für Spracherkennung, die anschließend die Sprache in Text umwandelt. Ebenfalls ist das Lesen von Texten im Internet oder bei verschiedenen Nachrichtendiensten mit Hilfe eines Screenreaders möglich, der Text in Sprachausgabe bereitstellt zum anschließenden Anhören.

Die Blindenschulen in Indonesien (Medan + Surabaya) sowie in Myanmar benötigen deshalb grundsätzlich und regelmäßig passende Endgeräte je nach Einsatzzweck. Der konkrete Bedarf sieht wie folgt aus:

Artikel

Einzelkosten

Gesamtkosten

15 Laptops

430,00 €

19.350,00 €

10 Smartphones

200,00 €

2.000,00 €

1 Drucker

360,00 €

360,00 €

36 x Sprachsoftware

42,00 €

1.500,00 €

 

 

23.750,00 €

 

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Stabwechsel bei der Hildesheimer Blindenmission

Im Juni tritt der bisherige Leiter der Hildesheimer Blindenmission, Pastor Frank Ewert, in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist Pastor Andreas Chrzanowski aus Hannover. Seit Anfang April arbeiten beide für eine Übergangszeit zusammen. Wir befragten den alten und den neuen Geschäftsführer.

Herr Pastor Ewert, nach zehn Jahren scheiden Sie aus der Hildesheimer Blindenmission aus. Was hat Ihre Arbeit in dieser Zeit geprägt?

Die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinden und Schulen war sehr intensiv und hat viel Freude gemacht. Wir haben zahlreiche Gottesdienste, Unterrichtsstunden, Schul- und Gemeindefeste gestaltet und konnten dabei von den Lebensumständen der blinden Schülerinnen und Schüler und ihrer Familien berichten. Aber auch das Angebot der Schulen in Asien wurde ausgebaut und verbessert: Wir konnten eine neue Blindenschule in Myanmar eröffnen; in Indonesien wurde eine Radiostation für Blinde eingerichtet; und in allen Schulen wurden Maßnahmen zur Verbesserung der Berufschancen entwickelt.

Worin sehen Sie die Herausforderungen für die Zukunft der Arbeit?

In allen Ländern, in denen wir tätig sind, steht die Umsetzung der Inklusion auf der Tagesordnung. Mithilfe der Computertechnik werden Blinden sehr viele neue Lern- und Arbeitsbereiche zugänglich werden. Diese Entwicklung bietet große Chancen, ist aber auch kostenintensiv. Hier benötigen die Schulen weiterhin unsere Unterstützung.

Herr Pastor Chrzanowski, kannten Sie die Hildesheimer Blindenmission bereits vor Ihrem Dienstbeginn?

Auf die Hildesheimer Blindenmission bin ich das erste Mal in meiner Zeit als Pastor in Ostfriesland aufmerksam geworden. Im Konfirmandenunterricht haben wir uns darüber informiert und für blinde Kinder Spenden gesammelt. Vor gut fünf Jahren gab es für mich eine direkte Begegnung: Da hatte ich in meiner Tätigkeit als Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorger der Hannoverschen Landeskirche zusammen mit der Hildesheimer Blindenmission einen Gottesdienst im Dunkeln organisiert. Mir ist dieser Nachmittag in lebhafter Erinnerung geblieben, nicht nur wegen der 200 Besucher und Besucherinnen, die kamen, sondern wegen der Schülergruppe aus Myanmar, die in dem Gottesdienst sang. Und hinterher gab es spannende Gespräche über die Blindenhilfe in ihrem und unserem Land.

Welche Erfahrungen bringen Sie mit für Ihre neue Aufgabe?

In den letzten acht Jahren habe ich mich sehr intensiv mit der Thematik von Blindheit und Sehbehinderung auseinandergesetzt. In meiner Funktion als Beauftragter für Blinden- und Sehbehinderten-Seelsorge habe ich seheingeschränkte Menschen beraten, landesweite Fortbildungen für Gemeinden und Einrichtungen durchgeführt und an der Blindenschule in Hannover unterrichtet.

Zudem gibt es für mich auch immer einen persönlichen Bezug zu diesem Thema. Während meines Theologiestudiums wurde bei mir eine erbliche Augenkrankheit festgestellt, und ich erblindete kurz vor meinem Examen.

Aufgewachsen bin ich in der Uckermark, der Prignitz und in der Nähe von Worpswede. Meine Frau Viola ist ebenfalls Pastorin; in Ostfriesland teilten wir uns über 18 Jahre lang eine Pfarrstelle. Dort entdeckte ich auch meine Leidenschaft für die plattdeutsche Sprache: Beim NDR-Radio gehörte ich zu den Sprechern der plattdeutschen Andachten.

Was sind nun ihre ersten Eindrücke von ihrer neuen Arbeit?

In diesen Tagen lerne ich die Geschäftsstelle mit ihren engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kennen. Außerdem mache ich mich vertraut mit der Geschichte und den Projekten dieser ältesten Blindenmission in Deutschland. Auf die Arbeit freue ich mich, da mir die Förderung blinder Menschen sehr am Herzen liegt. Blinde Schüler*innen haben überall das gleiche Anliegen: Sie wollen zu selbstständigen und selbstbestimmten Menschen heranwachsen. Ihnen darin Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, ist das Anliegen der Hildesheimer Blindenmission seit ihren Anfängen Und das kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Das ist bis heute aktuell.

Herr Ewert und Herr Chrzanowski, wir wünschen Ihnen beiden alles Gute und Gottes Segen.